Peppol ist ein internationales Netzwerk, über das Organisationen Geschäftsdokumente wie E-Rechnungen, Bestellungen und Lieferbestätigungen standardisiert miteinander austauschen. Arbeitet Ihr Geschäftspartner ebenfalls mit Peppol, müssen Sie nicht für jeden Kunden oder Lieferanten eine eigene technische Anbindung einrichten. Ein einziger Anschluss bietet Zugang zu allen anderen Teilnehmern im Netzwerk. Auf dieser Seite erfahren Sie, was Peppol ist, wie das Netzwerk funktioniert und wie Sie sich selbst anschließen.
Peppol im Überblick
Peppol arbeitet mit zertifizierten Service Providern, die als Vermittler auftreten. Sie können sie mit Dolmetschern vergleichen. Ihr eigener Service Provider übernimmt die Rechnung aus Ihrer Software und wandelt sie in die vereinbarte Peppol-Sprache um: einen festen, internationalen Standard, den alle Service Provider sprechen. Über das Netzwerk gelangt die Rechnung zum Service Provider Ihres Geschäftspartners. Dieser wandelt sie in die Sprache um, die die Software des Empfängers versteht, und stellt sie dort zu.
Sie müssen also nicht wissen, welche Software Ihr Geschäftspartner nutzt oder bei welchem Service Provider er ist. Solange beide Parteien über einen Service Provider an Peppol angeschlossen sind, kommt das Dokument an – auch über Landesgrenzen hinweg.
Peppol wird vor allem für E-Rechnungen genutzt, das Netzwerk unterstützt aber auch andere Geschäftsdokumente wie Bestellungen, Auftragsbestätigungen, Kataloge und Versandmitteilungen.
Über diesen Mittelteil müssen Sie als Anwender wenig wissen. Für Sie zählt vor allem eine Frage an Ihren Softwareanbieter: Ist unsere Software an das Peppol-Netzwerk angeschlossen, oder verfügt sie über ein Modul oder eine Integration, die dies ermöglicht? Lautet die Antwort ja, regeln Ihr Anbieter und sein Service Provider den Rest.
Wie ist Peppol entstanden?
- 2008–2012: Peppol beginnt als von der Europäischen Union finanziertes Projekt im Rahmen des Programms CIP. Ziel ist es, die grenzüberschreitende elektronische Beschaffung zwischen Behörden und Lieferanten in Europa zu vereinfachen. Das Projekt legt die Grundlage: gemeinsame Spezifikationen und ein Netzwerk, in dem Parteien einander finden können.
- 2012: Nach Projektende wird OpenPeppol gegründet, ein internationaler gemeinnütziger Verein. Dieser übernimmt die Verwaltung, einschließlich der Spezifikationen, der Vereinbarungen zwischen den Teilnehmern und der Zertifizierung von Service Providern. Damit wird Peppol zu einer dauerhaften Einrichtung statt eines befristeten Projekts.
- 2018: Singapur wird die erste Peppol-Autorität außerhalb Europas. Das markiert den Beginn der Ausweitung des Netzwerks nach Asien und in die übrige Welt.
- 2019: Australien und Neuseeland entscheiden sich für das Peppol Interoperability Framework, womit sich das internationale Wachstum des Netzwerks fortsetzt.
- 2020: AS4 wird zum verpflichtenden Transportprotokoll für den Nachrichtenaustausch innerhalb von Peppol. Das modernisiert und harmonisiert die technische Basis des Netzwerks.
- 2021: Japan wählt Peppol als Netzwerk für die E-Rechnungsstellung, womit auch Asien zu einem wichtigen Peppol-Gebiet wird.
- 2023: Mit Peppol International Invoice (PINT) entsteht neben dem europäischen BIS-Modell ein weltweites Rechnungsmodell. Länder können ihre eigenen Anforderungen darauf aufbauen, sodass Rechnungen international austauschbar bleiben.
- 2025–2026: Immer mehr Länder führen eine verpflichtende E-Rechnungsstellung ein. Welches Netzwerk dabei gilt, bestimmt jedes Land selbst; innerhalb der EU liegt dies bei den Mitgliedstaaten. Eine wachsende Zahl entscheidet sich für Peppol. Belgien schreibt beispielsweise seit dem 1. Januar 2026 vor, dass strukturierte E-Rechnungen zwischen mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen über Peppol versendet werden. So erweitert sich die Rolle von Peppol vom freiwilligen Austausch zu einer gesetzlich verankerten Infrastruktur.
Für alle, die es genau wissen wollen: Was passiert, wenn Sie auf Senden klicken?
Sobald Sie angeschlossen sind, klicken Sie auf Senden, und es funktioniert. Möchten Sie dennoch wissen, warum das so zuverlässig klappt? Das liegt an der Peppol-Architektur: vier feste Rollen und zentrale Bausteine, die dafür sorgen, dass jede Rechnung die richtige Adresse findet – in einer Form, die der Empfänger verarbeiten kann.
Die Bausteine des Netzwerks
Diese Bausteine machen Peppol zuverlässig und zukunftssicher. Sie legen fest, wer teilnehmen darf, wie Sie auffindbar sind und in welcher Sprache Dokumente ausgetauscht werden.
OpenPeppol
Access Points und Peppol Service Provider
Peppol-ID
Dokumentstandards
Adressverzeichnis und Profil (SML und SMP)
Wie funktioniert E-Rechnungsstellung über Peppol?
Für Sie als Anwender ist es einfach:
- Sie erstellen die Rechnung wie gewohnt in Ihrer Buchhaltungs- oder ERP-Software.
- Sie wählen den Kunden. Ihre Software erkennt an der Peppol-ID, ob der Kunde über Peppol erreichbar ist. Diese ID basiert häufig auf einer bestehenden Nummer, etwa der niederländischen KvK-Nummer (Handelsregisternummer), der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer oder der OIN einer niederländischen Behörde. In vielen Programmen suchen Sie einfach nach dem Firmennamen.
- Sie klicken auf Senden. Fertig.
Manche Programme zeigen anschließend auch den Status Ihrer Rechnung an. Mit der Peppol-Nachricht für den Rechnungsstatus kann der Empfänger mitteilen, dass die Rechnung eingegangen ist, bearbeitet wird, freigegeben, abgelehnt oder bezahlt wurde. So sehen Sie selbst, wo Ihre Rechnung steht, ohne nachtelefonieren zu müssen.
Für wen eignet sich Peppol?
Peppol eignet sich grundsätzlich für jede Organisation, weil es drei Hürden beseitigt: Sie müssen keine Anbindung pro Geschäftspartner aufbauen, Sie müssen nicht wissen, welche Software die Gegenseite nutzt, und das Netzwerk funktioniert über Landesgrenzen hinweg nach einem einheitlichen Regelwerk. Der Nutzen unterscheidet sich je nach Art der Organisation:
Unternehmer und KMU
Häufig bereits in die Buchhaltungssoftware integriert. Ohne zusätzliches System Rechnungen versenden und empfangen und die Anforderungen von Kunden und Behörden erfüllen.
Großunternehmen
Ein Kanal für viele Handelspartner, neben EDI und eigenen Portalen. Attraktiv, um kleinere Lieferanten zu erreichen, die bereits über ihre Buchhaltungssoftware angeschlossen sind.
Behörden und öffentliche Einrichtungen
Empfang nach der Europäischen Norm von allen Lieferanten, groß und klein, über einen einzigen Anschluss.
International tätige Unternehmen
Ein Anschluss für Geschäftspartner in Europa und darüber hinaus, etwa in Singapur, Australien und Japan.
Softwareanbieter
Peppol integrieren, selbst als zertifizierter Service Provider oder gemeinsam mit einem Partner. Ihre Kunden erwarten es immer häufiger.
Gründer und Start-ups
Ab der ersten Rechnung digital arbeiten, ohne später umstellen zu müssen.
Ist E-Rechnungsstellung verpflichtend?
In vielen Ländern ist die E-Rechnungsstellung bei Lieferungen an die öffentliche Hand (B2G) bereits verpflichtend. Immer mehr Länder weiten dies auf Transaktionen zwischen Unternehmen (B2B) aus. Peppol wird dabei häufig als Netzwerk für den Austausch genutzt. Welche Regeln für Sie gelten, hängt vom Land und von der Art des Kunden ab. Mehr dazu unter Verpflichtende E-Rechnungsstellung.
OpenPeppol arbeitet auch an der Rolle des Netzwerks bei der digitalen Meldung an Steuerbehörden. In einem Pilotprojekt rund um die europäischen ViDA-Regeln testet OpenPeppol eine Erweiterung der Peppol-Architektur, bei der Steuerbehörden als fünfte Partei an das Netzwerk angeschlossen werden.
Wie schließen Sie sich an Peppol an?
Wie aufwendig der Anschluss ist, hängt von Ihrer Situation, Ihrer Ambition und Ihren Geschäftspartnern ab. Grob gibt es drei Situationen:
Wissen Sie, was Sie brauchen?
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